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Infografik mit vier Prüffragen zur Prozessauswahl: Wiederholung, klare Regeln, einheitliche Daten und abfangbare Fehler entscheiden, ob sich eine Aufgabe automatisieren lässt.
Ein Prozess eignet sich vor allem dann für Automation, wenn er häufig vorkommt, festen Regeln folgt, strukturierte Daten nutzt und Fehler kontrolliert werden können.
Strategie

Nicht alles lohnt sich: Woran du erkennst, welche Prozesse sich fürs Automatisieren eignen

von Tim Schoster23. Juni 20265 Min. Lesezeit

Die meisten schlechten Automationsprojekte scheitern nicht an der Technik, sondern an der Auswahl. Es wird etwas automatisiert, das sich dafür nie geeignet hat, und danach wundert man sich, dass das System mehr Ärger macht als es spart. Der wichtigste Schritt passiert deshalb, bevor auch nur ein Tool geöffnet wird: die Entscheidung, welche Prozesse du automatisieren solltest und welche nicht.

Ein guter Teil meiner Arbeit an Automationen besteht darin, Leuten von Prozessen abzuraten. Bauen ließen sie sich fast alle, aber oft holt der Aufwand den Nutzen nie ein. Hier ist der Test, den ich vorher anlege.

Vier Fragen, die vorab entscheiden

Ein Prozess eignet sich zum Automatisieren, wenn er sich regelmäßig wiederholt, klaren Regeln folgt, mit einheitlichen Daten arbeitet und Fehler abfangen lässt. Fehlt einer dieser vier Punkte, kostet die Automation am Ende oft mehr, als sie spart. Im Einzelnen steckt hinter jedem Punkt eine Frage.

Wiederholt sich die Aufgabe oft genug? Etwas, das einmal im Quartal vorkommt, lohnt den Aufbau selten. Was sich täglich oder mehrmals die Woche wiederholt, ist ein Kandidat. Die Faustregel ist einfach: Je öfter, desto eher.

Folgt die Aufgabe klaren Regeln? Wenn du beschreiben kannst, wie etwas Schritt für Schritt abläuft, lässt es sich automatisieren. Wenn dagegen bei jedem Durchgang neu abgewogen werden muss und Bauchgefühl im Spiel ist, wird es schwierig. Ein Prozess, den du selbst kaum in Worte fassen kannst, ist noch nicht reif für eine Maschine.

Kommen die Eingangsdaten in einigermaßen gleicher Form? Automation mag Verlässlichkeit. Wenn die Daten mal so und mal ganz anders ankommen, steigt der Aufwand schnell. Je einheitlicher das Eingangsmaterial, desto stabiler läuft das System.

Lässt sich ein Fehler abfangen? Kein System arbeitet fehlerfrei. Die Frage ist, ob ein Fehler auffällt und korrigiert werden kann, bevor er Schaden anrichtet. Ein menschlicher Freigabepunkt macht aus einem riskanten Prozess oft erst einen, den man automatisieren kann.

Ein Beispiel für gut und schlecht geeignet

Das Überwachen vieler Nachrichtenquellen und das Erstellen von Rohentwürfen ist ein guter Kandidat. Es wiederholt sich ständig, folgt klaren Regeln, die Quellen liefern ähnlich strukturierte Daten, und ein Redakteur fängt am Ende jeden Fehler ab. Genau deshalb funktioniert so ein System zuverlässig.

Das Gegenbeispiel ist eine heikle Kundenberatung, bei der es auf Zwischentöne ankommt und jede Situation anders liegt. Hier hilft KI beim Vorbereiten, aber der Kern lässt sich nicht automatisieren, weil er von Urteilsvermögen lebt. Wer es trotzdem versucht, baut ein System, dem niemand traut.

Der häufigste Denkfehler

Viele fangen bei der spannendsten Aufgabe an, nicht bei der geeignetsten. Die spannende ist oft die komplizierte, die viel Urteilsvermögen verlangt und sich schlecht in Regeln fassen lässt. Der bessere Startpunkt ist die langweilige Fleißarbeit, die täglich Zeit frisst und stumpf nach Schema abläuft. Sie bringt den schnellsten Gewinn und das geringste Risiko.

Infografik mit einer Vier-Felder-Matrix zur Priorisierung von Automationsprozessen nach Häufigkeit und benötigtem Urteilsvermögen.
Häufige, klar regelbasierte Aufgaben sollten zuerst automatisiert werden. Seltene Prozesse mit hohem Urteilsbedarf bleiben besser beim Menschen.

Deshalb lohnt es sich, vor dem ersten Tool eine Liste zu machen. Welche Aufgaben wiederholen sich, folgen klaren Regeln, kommen mit einheitlichen Daten und lassen Fehler abfangen? Was alle vier Punkte erfüllt, gehört nach oben. Der Rest kann warten oder beim Menschen bleiben.